Wie eng es bei so vielen guten Weinen zugeht, kann man an den Punktwerten der Top 30 sehen: Zwischen Platz 1 und 30 liegen gerade einmal 0,5 Punkte. So geht es nach Platz 30 weiter. Die Qualität war unglaublich hoch und bei insgesamt 180 Weinen ist das Feld natürlich besonders dicht. Interessant: Ganz an die Spitze schafften es vor allem Weine, die sowohl Frucht und Trinkfreude als auch etwas Tiefgang versprachen. Auffallend ist auch, dass die ersten 5 Plätze an Rotweine gehen, drei davon aus der Pfalz.
Der Puszta Libre! - Gesamtsieger unserer Verkostung - ist ein kühl zu trinkener, beeriger aber eben nicht austauschbarer Rotwein. Claus Preisinger ist ein junger Winzer, der gerne den natürlichen Weg geht: Biodynamisch, vegan, unfiltriert, spontanvergoren. Herzlichen Glückwunsch ins Burgenland!
Spätburgunder ist nicht jedermanns Sache und vor allem Frischlingen in der Weinwelt oft nicht ganz einfach zu vermitteln. Das Weingut Zelt ist ein treuer Teilnehmer unserer Verkostungen geworden und verblüfft jedes Mal aufs neue mit über Solidität hinausgehende, gute Qualität. Spätburgunder kann für geübte Weintrinkerinnen unglaublich faszinierend und tief sein - der Anfänger findet ihn häufig dünn und spitz. Mario Zelt schafft es mit dem Burgweg Spätburgunder, die Aromatik der Rebsorte sehr schön darzustellen und dem Wein trotzdem etwas (keineswegs zu viel!) Fülle und verständliche Frucht mitzugeben, so dass auch dies ein Wein ist, bei dem sich Anfänger und Profis treffen und zusammen Spaß haben können.
Ganz ähnlich verhält es sich mit dem Schlossberg von Kore auf Platz 3. Der Wein besteht zu 90% aus Portugiesertrauben von 30 Jahre alten Reben, die nach und nach mit Spätburgunder ausgetauscht werden. Das sind dann die anderen 10%. Gerade mit etwas Luft entwickelt sich der Wein von lecker zu unglaublich tief. Die Länge verblüfft. Spannend, was mit Portugieser so alles möglich ist!
Auf Platz 4 folgt eine harmonisch zusammengestellte Cuvée aus Merlot, Cabernet Sauvignon und St. Laurent von Egon Schmitt. Dunkle Beeren und Schokolade geben bei seiner roten Cuvée Drei Reben den Ton an. Bemerkenswert an dem Wein ist die geringe Standardabweichung von 0,69 Punkten, es handelt sich hier um eine Art everybodys darling. Das Weingut hat es wirklich geschafft, mit allen drei angestellten Weinen in unserer Bestenliste aufzutauchen. Und das mit drei Basisweinen! Wer günstige Weine in allen drei Farbrichtungen für ein Fest sucht, ist bei Egon Schmitt an der richtigen Adresse...
Das Weingut Klopfer war jetzt auch schon ein paar Mal dabei - meistens recht weit oben im Tableau. So auch dieses Mal. Der Mauerpfeffer ist der bestplatzierte Piwi-Wein der Verkostung. Die Rebsorte hört auf den wohlklingenden Namen VB Cal. 1-22. Sie soll mit der italienischen Sangiovese verwandt sein, der Wein ist allerdings deutlich dunkler - nicht nur optisch, sondern auch in der Beerenaromatik.
Clauers Kerner Beerenauslese stellte das Aromenfeuerwerk des Abends. Die Reife schadet dem Wein keineswegs - vermutlich sind da noch ein paar Jahre drin. Eine absolute Empfehlung für alle, die sich an das Thema edelsüße Weine heranwagen möchten, ohne gleich ein Vermögen auszugeben!
Der Linea von Ploder-Rosenberg ist ein absolut hochklassiger Sauvignon Blanc aus der Steiermark. Die naturnahe Herstellung kann der markante Wein nicht verbergen. Sollte er auch nicht, weil die gelungene, grippige Textur und das noch deutlich ausgeprägte Holz die Sauvignon-Aromatik wunderschön umrahmen. Es ist bemerkenswert, dass dieser durchaus anspruchsvolle Wein bei unserer jungen Jury so punkten konnte. Der Linea bringt einiges an Potenzial mit und wird vermutlich in einigen Jahren, wenn das Holz noch etwas in den Hintergrund tritt, noch besser schmecken.
Bewertungen:
Unter 5 - Fehlerhaft, ungenießbar: Der Wein zeigt extreme Fehltöne und kann nicht oder nur unter Qualen getrunken werden.
5 bis 6,5 - Nicht gut: Der Wein ist zwar einigermaßen sauber und frei von Fehlern, schmeckt aber nicht oder ist äußerst unharmonisch.
6,5 bis 7,5 - Durchschnittlich: Der Wein ist sauber gemacht, einigermaßen harmonisch, aber nichts, was einen vom Hocker haut.
7,5 bis 8,5 - Gut: Der Wein schmeckt und man trinkt ihn gerne, die Flasche leert sich schnell.
8,5 bis 9,5 -Sehr gut: Harmonisch und komplex. Es macht Spaß, diesen Wein zu erforschen und es zeigen sich immer neue Facetten.
9,5 bis 10 - Hervorragend, groß: Ein erstklassiger Wein, tief und komplex, mit außergewöhnlicher Aromenvielfalt und gleichzeitigem Genuss. Sehr selten bis rar, so ein Wein bleibt in Erinnerung.