Merlot - Verkostung - Februar '17

Merlot ist die Rebsorte zwischendrin. Sie hat etwas Körper, ist jedoch nicht wuchtig, sie ist fruchtig, aber keine Fruchtbombe. Merlot verfügt über Tannine, jedoch nicht über so viel davon, wie ihre würzigen Bordeaux-Partner Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc. Das soll nicht bedeuten, dass sie nur zu Mittelmaß fähig ist - im Bordelais zum Beispiel erreichen Merlot-Weine absolute Spitzenqualitäten. Im unteren Preissegment verspricht die Rebsorte eher Solidität und Sicherheit. Greifst du zum Merlot, wirst du mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit weder enttäuscht noch positiv überrascht. Du bekommst meist einen anständigen, trinkbaren Wein. Nicht mehr, nicht weniger.

Diesen Eindruck bestätigt auch diese Verkostung - diesmal mit dem Thema Merlot. Sechs Weine, drei Italiener und drei Franzosen zwischen zwei und knapp sechs Euro wurden blind verkostet und bewertet. Die Ergebnisse zeichnen ein homogenes Bild, alle Weine liegen in der Bewertung* um die 7, also zwischen durchschnittlich und gut. Es gab keine Totalausfälle und keine Offenbarungen, aber durchaus ein paar geschmackliche Unterschiede:

 

Platz 1: Ein Venezianer aus dem Barrique

Ein Wein unterscheidet sich in der Aromatik deutlich von den anderen: Der 2015 Bertoldi Merlot Veneto Barrique IGT. Der Ausbau im kleinen Eichenholzfass, dem Barrique, verleiht dem Wein angenehme Holz- und Vanillearomen sowie sanfte Tannine. So schafft er es, aus der Masse der verkosteten Weine herauszustechen und den Großteil der Jury zu überzeugen: gute 7,4 Punkte* sind das Resultat. Der Wein ist aromatisch und einigermaßen harmonisch. Frucht und Komplexität lässt er etwas vermissen.

 

Auch sonst alles ordentlich

Auch den zweiten Platz sichert sich ein Wein aus der Nähe von Venedig. Sein Herkunftgsbebiet, das Friaul, ist eigentlich für Weißwein bekannt. Markenweine wie der Zonin Merlot Friuli Aquileia DOC 2015 sind ein häufiger Gast in deutschen Supermarktregalen. Dieser speziell weiß durch viel Frucht, moderates Tannin und eine intensive, aber harmonische und komplexe Aromatik zu gefallen. 7,15 Punkte bei einem Preis von knapp vier Euro bedeuten ein gutes Ergebnis, insbesondere mit Blick auf das Verhältnis von Preis und Leistung. Auf Platz drei steht mit dem Maison Castel Bordeaux Merlot 2015 (7 Punkte) der erste Franzose. Auch er zählt zu den aromatischeren Tropfen und fällt vor allem durch seine intensiven Tannine auf. Die drei verbleibenden Weine sind leichter in der Aromatik und präsentieren sich als einfache, saftige Trinkweine. Der Käfer Merlot Terre Siciliane ist der einzige Wein aus dem neuen Jahrgang 2016, der Montmija Pays d'Oc Merlot 2015 der einzige Biowein der Verkostung. Auf dem letzten Platz landet der günstigste Wein, der Pays d'Oc Merlot Souple/Fruité 2015, den es für knapp zwei Euro bei Lidl gibt. Keiner dieser Weine erzielte ein wirklich schlechtes Ergebnis. Die niedrigste Bewertung von 6,7 lässt sich vielleicht am treffendsten mit dem Wort "okay" beschreiben.

Der Gesamteindruck

Wollen wir aus den verkosteten Weinen eine generelle Aussage über die Eigenschaften der Rebsorte Merlot ableiten, müssen wir zunächst konstatieren, dass es sich hier um recht günstige Exemplare aus zwei Ländern handelt. Merlot wird in fast allen Weinbauländern dieses Planeten in äußerst unterschiedlichen Qualitäten und Stilistiken produziert. Wir können jedoch eine ganz gute Aussage über den häufig im Supermarkt gekauften europäischen Merlot um die fünf Euro machen. Diese Weine zeigen sich, obwohl sie häufig sehr trocken vergoren wurden und kaum Süße offenbaren, meist harmonisch und rund. Sie neigen nicht zu übertriebener Säure und ihre Tannine sind gut eingebunden und nicht übertrieben. Der Merlot kann eine fruchtige Saftigkeit entwickeln, in dieser Preisklasse produziert er jedoch selten komplexe und tiefgründige Weine. Holzeinsatz kann helfen, die Aromenvielfalt zu bereichern und dem Wein etwas Ausdruck zu verleihen, er kann aber auch die oftmals etwas dezent ausgebildete Primäraromatik überdecken. Der Wein schmeckt dann nur noch nach Holz und lässt Frucht vermissen. Vor dem Supermarktregal ist der Griff zum Merlot eine Sicherheitsentscheidung. Ich bin gerne etwas wagemutiger, in der Hoffnung, einen richtigen Treffer zu landen. Wer jedoch einen grundsoliden Wein möchte, den die meisten Gäste trinken können, ohne sich überwinden zu müssen, sollte sich den Griff zum Merlot überlegen. Wiederum bestätigt sich in der Verkostung der Eindruck, dass man günstige Weine lieber nicht aus Frankreich kauft. Tendentiell scheinen im Basissegment die Italiener überlegen. Wer einen etwas hochwertigeren Merlot kosten möchte, könnte es einmal mit einem Franzosen, beispielsweise aus Bergerac, dem Médoc oder Pomerol versuchen. 

*Die Bewertungskategorien lauten: Unter 5: Fehlerhaft, ungenießbar; 5-6: Nicht gut; 6-7: Durchschnittlich; 7-8: Gut; 8-9: Sehr gut; 9-9,5: Hervorragend; 9,5-10: Groß. Mehr dazu hier

Das Ergebnis im Überblick

Wein Gibt's bei: Preis  Bewertung Notizen der VerkosterInnen
Bertoldi Merlot Veneto Barrique IGT 2015 Edeka 5,49 € 7,42

Holz; fruchtig, leicht, aber doch intensiv, macht Spaß

Zonin Merlot Friuli Aquileia DOC 2015 Rewe 3,99 € 7,15

fruchtig, Kirsche, warme Aromatik, etwas herb; Duft sehr blumig, Erdbeere; etwas zu "tanninig"

Maison Castel Bordeaux 2015 Real 5,49 € 7,04

sehr trocken, intensives Tannin, erdig; ganz nett, aber etwas langweilig, zu tanninhaltig

Käfer Merlot Terre Siciliane 2016 Real 2,99 € 6,95

intensiv, Pflaume; etwas herb; ganz gut

Montmija Pays d'Oc Merlot 2015 Bio Denn's 4,99 € 6,75

Schoko, fruchtig, warm; samtig; etw. herb

Pays d'Oc Merlot 2015 Bio Lidl 1,99 € 6,72

fruchtig, leicht, etwas sauer; riecht etwas nach Essig; saurer Nachgeschmack; Kirsche, leicht, fruchtig, blumig

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